Susanne Mrugalla – Redebeitrag zur Zukunft unseres Nahverkehrs

Der Antrag der SPD ist nicht nur richtig – er ist längst überfällig! Wer ernsthaft glaubt, wir könnten bis 2027 warten, um über die Zukunft unseres Nahverkehrs nachzudenken, der hat die Realität im Landkreis Rotenburg (Wümme) nicht verstanden.

Schon heute entscheidet der ÖPNV darüber, ob Menschen hier gut leben, arbeiten und mobil sein können –
oder eben nicht.
Wir sind ein Niedriglohnlandkreis. Gerade deshalb sind viele Menschen auf einen funktionierenden,
bezahlbaren und verlässlichen Nahverkehr angewiesen. Wer hier beim ÖPNV spart oder zögert, der
verschärft soziale Ungleichheit und schwächt gleichzeitig unseren Wirtschaftsstandort.
Die Wahrheit ist doch: Unser aktuelles Angebot ist in vielen Bereichen nicht konkurrenzfähig.
Schlechte Taktung, fehlende Direktverbindungen und unzureichende Abstimmung zwischen Bus,
Bahn und ergänzenden Angeboten sorgen dafür, dass Menschen weiterhin aufs Auto angewiesen
sind – ob sie wollen oder nicht. Und genau das ist der falsche Weg.
Wir brauchen endlich:

  • echte Direktanbindungen an die Bahnhöfe statt umständlicher Umwege,
  • eine konsequente Verzahnung aller Angebote – Bus, Bürgerbus und On-Demand,
  • und den politischen Willen, Fördermittel aktiv einzuwerben, statt Chancen verstreichen zu
    lassen.
  • Besonders deutlich wird das Versagen beim On-Demand-Verkehr: Angebote wie „Astro“ in
    Zeven und Sittensen sind schlicht nicht alltagstauglich. Wenn ein System kaum genutzt
    wird, liegt das nicht an den Menschen – sondern am System. Das muss grundlegend
    überarbeitet werden, nicht kosmetisch.
    Auch bei der Reaktivierung von Bahnstrecken dürfen wir uns nicht mit „knapp gescheitert“
    zufriedengeben. Die Strecke Zeven–Tostedt ist ein Beispiel dafür, dass Potenziale da sind – aber
    politischer Nachdruck fehlt. Wer hier jetzt nachlässt, verspielt langfristige Chancen für die Region.
    Hinzu kommt: Die tatsächlichen Investitionen in die Schienen-Infrastruktur der EVB auf der
    Strecke Tostedt/ Zeven sind viel höher als bisher von der LNVG angenommen. Wenn selbst diese
    Grundlage nicht sauber erfasst ist, wird deutlich, wie dringend wir mehr Klarheit und mehr
    Entschlossenheit brauchen.
    Deshalb geht es bei diesem Antrag um mehr als Planung – es geht um Prioritäten.
    Wollen wir einen Landkreis, der mobil, attraktiv und zukunftsfähig ist? Oder einen, in dem ohne
    Auto kaum etwas geht?
    Jetzt ist der Zeitpunkt zu handeln , die Weichen zu stellen. Nicht in zwei Jahren, nicht nach dem
    nächsten Nahverkehrsplan.
    Der Antrag der SPD setzt genau hier an – und verdient deshalb nicht nur Zustimmung, sondern
    klare Unterstützung.

    Susanne Mrugalla – Mitglied des Kreistages Rotenburg (Wümme) für Bündnis 90 / Die Grünen

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