Tarmstedt/Kirchtimke. Unter dem Titel „Grün im Dialog“ diskutierten am Freitagabend zahlreiche Interessierte, darunter auch Landwirtinnen und Landwirte, in Willenbrocks Gasthaus über das geplante Agrarstrukturgesetz des Landes Niedersachsen.
Eingeladen hatte der Kreisverband BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Rotenburg (Wümme). Zu Beginn stellte der agrarpolitische Sprecher der Grünen im Niedersächsischen Landtag, Pascal Leddin, die Eckpunkte des Gesetzentwurfs vor, der noch vor der Sommerpause beschlossen werden soll. Hintergrund des Gesetzes ist, dass immer mehr landwirtschaftlicher Boden von Investoren aufgekauft wird, wodurch Kauf- und Pachtpreise rasant steigen. Viele landwirtschaftliche Betriebe können sich dringend benötigte Flächen zunehmend nicht mehr leisten und geraten wirtschaftlich unter Druck. Das Agrarstrukturgesetz soll diese Entwicklung stoppen, Bodenspekulation eindämmen und landwirtschaftlichen Betrieben wieder eine faire Chance auf Flächensicherung geben.
Schnell wurde klar, dass Politik und landwirtschaftliche Verbände ein gemeinsames Ziel verfolgen: den Schutz bäuerlicher Flächen vor dem Zugriff nicht-landwirtschaftlicher Investoren. Kontrovers diskutiert wurde jedoch die geplante „Pachtpreisbremse“. Während GRÜNE und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) darin ein wichtiges Instrument zum Schutz kleinerer und mittlerer Betriebe sowie von Nachwuchslandwirtinnen und -landwirten sehen, warnte Christian Intemann vom Landvolk Rotenburg-Verden vor wachsender Bürokratie und sprach von einer möglichen Entwicklung hin zu „Planwirtschaft“. Zugleich betonte er, dass der Landkreis Rotenburg derzeit weniger stark von steigenden Pachtpreisen betroffen sei.
Leddin machte deutlich, dass Pachtpreisexplosionen in vielen Regionen bereits Realität seien und das Gesetz langfristig helfen solle, bäuerliche Strukturen zu sichern und dem Höfesterben entgegenzuwirken:
„Wir wollen bäuerliche Betriebe stärken und dafür sorgen, dass sie auch künftig zu fairen Bedingungen Zugang zu landwirtschaftlichen Flächen haben“.
Trotz unterschiedlicher Positionen entwickelte sich eine lebhafte, sachliche Diskussion unter Beteiligung des Publikums.
Grün im Dialog: Kontroverse und konstruktive Debatte zum Agrarstrukturgesetz
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