Anfragen Straßenschäden an „Moorstraßen“

20.10.18 von Ulrich Thiart

Sehr geehrter Herr Luttmann,  

in der Rotenburger Kreiszeitung vom 13.10.2018 hat der Landkreis die Bevölkerung auf die Probleme an den Kreisstraßen mit moorigem Untergrund hingewiesen.

Beim Ausschuss für Hoch- und Tiefbau am 14.9.2018 hat der Leiter der Straßenmeisterei Herr Ratajczak mit einigen erschreckenden Fotos den Zustand der Moorstraßen, besonders im Nordkreis, dargestellt. Es wurde den Ausschussmitgliedern mitgeteilt, dass es für den Bau von Moorstraßen kein Regelwerk gibt und dass für die Stabilität der Straßen der „gewachsene Untergrund“ entscheidend ist.

Im Zeitungsartikel vom 13.10. werden die Maßnahmen beschrieben, die der Landkreis ergriffen hat, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Auf die Schwierigkeit, die es bei den 60 bis 100 Jahre alten Moorstraßen gibt, wurde ebenfalls hingewiesen. Mit moderner Messtechnik soll der Aufbau der Straßen und der „vorhandene“ Untergrund untersucht werden.

Fazit: „Dieser Prozess ist langfristig angelegt, kostenintensiv und wird einige Jahre in Anspruch nehmen“ (KZ 13.10.2018).  

Im Ausschuss wurden die Einfluss Faktoren für die Straßenschäden genannt: Frost, Nässe, Sonneneinstrahlung, Temperaturwechsel und Verkehrsbelastung. Meiner Meinung fehlt ein entscheidender Faktor: Die Gewichtsbelastung durch schwere Fahrzeuge (LKW und landwirtschaftliche Fahrzeuge).  

In verschiedenen Publikationen wird festgestellt, dass die Abnutzung der Straßen durch schwere Fahrzeuge verursacht wird. Ob der LKW die Straße 10000-mal mehr beansprucht wie ein PKW wird diskutiert. Es geht dabei nicht nur um die „statische Belastung“ sondern um die „dynamische Belastung“, die schwere Fahrzeuge  mit Luftfederung auf den Untergrund ausüben. Man spricht vom „Rutting“ und meint damit „…das Nachschwingen unter Last, dass sich wellenförmig bis in 12 Meter Tiefe ausbreitet und durch die Einführung der Luftfederung noch schwerwiegender geworden ist“.

Die entstehenden Wellen haben eine „abnehmende Amplitude“, die den Unterbau verschieben und verdichten. Riesenproblem, wenn kein gewachsener Untergrund (Moorstraßen) vorhanden ist. Beim Rutting ist die Hauptbelastung bei niedriger Geschwindigkeit bis 30 Km/h und oberhalb von 80 Km/h. Die Anzahl der Achsen spielen eine Rolle, auch der Reifendruck und die Reifenbreite. Wobei es in einer Tiefe von 80 Zentimeter egal ist, ob der Reifen 30 cm oder 60 cm breit ist (fast gleiche Flächenpressung).

Ein weiteres Problem sind die Schäden die an Versorgungsleitungen und an der Kanalisation auftreten kann. Wenn man alle Einflussmöglichkeiten betrachtet, müsste man feststellen: „Moorstraßen sind für die heutigen Belastungen unzureichend geeignet und müssten für den Schwerlastverkehr gesperrt werden“. In einigen niedersächsischen Gemeinden (Bad Zwischenahn, Worphausen) versucht man mit Gewichtsbeschränkungen (5 Tonnen) und Geschwindigkeitsbeschränkungen bis 10 Km/h die Nutzungsdauer der Straßen zu vergrößern.   Meine Fragen an den Landkreis:  

  1. Ist auch im Landkreis Rotenburg eine solche Gewichtsbegrenzung an Kreisstraßen/Moorstraßen angedacht?
  2. Wieviel Kilometer Moorstraßen müssen langfristig erneuert werden?
  3. Welche Kosten (Grobschätzung) werden dabei entstehen?
  4. In wieweit müssten auch die Brücken an den Kreistraßen erneuert werden?
  5. In wieweit sind Fördermöglichkeiten des Landes/Bundes möglich, um diese Straßen nutzen zu können?    

Mit freundlichen Grüßen

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